"Nie wart Ihr Knechte Eurer engen Zeit."
Die 1906 gegründete Burschenschaft "Gothia" hatte nur kurzen Bestand. Meinungsverschiedenheiten ließen die Gefahr des Auffliegens befürchten und führten zur Auflösung. Die Mittelschülerbünde waren bis 1918 verboten, die Zugehörigkeit zu einem Bund wurde mit dem Ausschluß aus der Schule, nicht selten aus allen Mittelschulen Österreichs bestraft. Dennoch hielten die Gründer der aufgelösten "Gothia", Hubert Swoboda und Franz Zaubek, an dem Gedanken einer Neugründung unerschütterlich fest. Am 23. Juni 1907 trafen sie sich zu einer letzten vorbereitenden Aussprache, vier Tage nachher, am 27. Juni 1907, wurde in einem feierlichen AC die Deutsch pennale Burschenschaft "Germania" gegründet (Wien XIII, Penzingerstraße 125). Man einigte sich auf die Farben Schwarz-Rot-Gold, auf kleine schwarze Samtmützen mit goldenem Durchbruch, auf den Wahlspruch "Ehre, Freiheit, Vaterland" und auf das Bundeslied "Mahnruf an die Deutschen in Österreich". Der Waffenspruch "gladius ultor noster" kam erst später hinzu. Zum ersten Sprecher wurde Hubert Swoboda (Hildebrand), zum zweiten Sprecher Franz Zaubek (Siegfried) und zum Schriftwart Ludwig Höfer (Walther) gewählt. Zu den Gründern zählen noch die aBF aBF Rudolf Prinz (Roland), Gustav Schmidt (Rolf) und der aF Hans Korn (Hadubrand). Am 30. Juni 1907 wurden Josef Brydl (Hermann), Hans Edelmann (Giselher) und Eugen Menzel (Dietrich), am 25. August 1907 Peter Leisz (Gunther) aktiv. Ein Bund fürs Leben war geschlossen.
Der Betrieb wurde sofort aufgenommen. Der Gründungskommers am 15. September 1907 eröffnete das Wintersemester 1907/1908. Große Hilfe fanden die jungen Germanen durch die Wiener akademische Burschenschaft "Germania", die auch bei Mensuren die Bader stellte. Ihr sei an dieser Stelle aufrichtig gedankt. Nach mehr als einem Jahr ging diese Fühlung verloren. An Stelle der "Germania" trat die Wiener akademische Burschenschaft "Moldavia", mit der uns bis heute ein sehr inniges Freundschaftsverhältnis verbindet.
Am 29. November 1907 stieg die erste fliegende scharfe Säbelmensur. Es fochten unser Sprecher Swoboda und der Sprecher der "Alanen" Schöpf. Doch schon die nächsten Partien zwischen den beiden Bünden wurden auf festem Stand ausgetragen. Es ist das dauernde Verdienst unserer "Germania" und der p. B. "Alania" (damals noch konserv. Jungmannschaft), die "Wiener pennale Säbelmensur" geschaffen und den Weg zu einer großen konservativen Betätigung geebnet zu haben. Bald bekannten sich auch die penn. Burschenschaften "Borussia", "Thuiskonia" und "Unitas" zur "Wiener Säbelmensur", die bis 1938 gefochten wurde.
Rasch gewann unsere Burschenschaft Anerkennung und Achtung, wurden die "schwarzen Germanen" in studentischen Kreisen ein Begriff. Im Frühjahr 1911 bezogen wir nach einer Reihe von behelfsmäßigen Buden die erste geeignete nette Bude, Wien XII, Wienerbergstraße 28, die uns die Möglichkeit bot, einen überaus regen Fechtbetrieb zu entfalten. Fast alle Aktiven vor dem ersten Weltkrieg haben auf dieser Bude ihre Mensuren gefochten. Anfang Juni 1912 wurde unter unserer führenden Mitarbeit der "Delegierten-Convent Wiener pennaler Burschenschaften" (DC) gegründet. Ihm gehörten "Alania", "Germania", "Thuiskonia" und "Unitas", später noch "Cimbria" und "Gothia" an. Am 15. April 1914 fochten wir mit der penn. B. "Alania" unsere 100. Mensur. AF Bubi Matz (Sekundant Zaubek, Testant Leisz) vertrat unsere Farben. Ein Lichtbild dieses großen Ereignisses bewahrt unser Bildarchiv.
In der Sitzung des DC vom 6. Juni 1913 trat aB Karl Wicha (Teut) für den Zusammenschluß der pennalen Burschenschaften Österreichs ein, in der DC-Sitzung am 4. Juni 1914 regte aB Karl Wollak (Iring) die Gründung der pennalen Burschenschaft der Ostmark an. Dann kam der Krieg. Sieben Jahre erfolgreicher Arbeit fanden ein jähes Ende. Getreu dem Wahlspruch "Ehre, Freiheit, Vaterland", eilten fast alle "Germanen", die meisten freiwillig, zu den Fahnen. Der Betrieb wurde eingeschränkt weitergeführt, ein Verdienst unseres Gründers Swoboda, der vom Wehrdienst befreit war. Seiner Anregung und Mitarbeit dankt der Wiener DC (Sitzung vom 4. April 1918) die Mietung einer mehrräumigen Gemeinschaftsbude (VIII, Lerchenfelderstraße 54), welche vielen pennalen Burschenschaften nach dem Zusammenbruch 1918 die Aufnahme des Betriebes ermöglichte.
Nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges scharten sich die "Germanen" wieder um das geliebte Burschenbanner. Aber zehn der lieben Bundesbrüder fehlten - sie blieben auf dem Felde der Ehre.
Am 12. November 1918 trat die provisorische Nationalversammlung zusammen und beschloß einstimmig als Artikel 2 der neuen "Verfassung": "Deutsch-Österreich ist ein Bestandteil der Deutschen Republik". Erst über Druck der Entente mußte der Name "Deutsch-Österreich" fallen.
Zwei Ereignisse mögen die damalige schwierige Lage zeigen: Am 12. November 1918 waren wir mit den Burschenschaften des Wiener DC zum Parlament marschiert, um für die Koalitionsfreiheit einzutreten. Unsere schwarzrotgoldene Fahne, die einzige in einem roten Fahnenwald, erregte den Haß der Kommunisten. Es kam zum Kampf um die Fahne. Umgeben von Germanen, Cimbern, Ansorge und vielen anderen Pennälern wurde sie verteidigt und schließlich in Sicherheit gebracht.
Die Teilnahme aller Aktiven und vieler Alter Herren beim Studentenbataillon für den Kärntner Freiheitskampf, Führer waren die Brüder Freund der p. B. "Thuiskonia", endete mit Verfolgungen und Verhaftungen. Der Abtransport nach Kärnten wurde von den "Roten" verhindert.
Bereits 1919 konnten wir wieder eine eigene Bude (VII, Kirchengasse 37) beziehen. In den Nachkriegsjahren hat sich ES AH August Waldhauser (Teja) um den Aufbau der "Germania" große Verdienste erworben. Er war 4 Semester lang Sprecher. Neben der Arbeit für den eigenen Bund lag den "Germanen" auch das Wohl der pennalen Bewegung am Herzen. Durch den Verlust der sudetendeutschen Gebiete 1918 zerfiel der von Karl Ansorge (Arimunt) gegründete und vorbildlich geführte Allgemeine Delegierten-Convent (ADC). Unsere AH AH Karl Wicha und Karl Wollak gingen daran, ihren alten Plan zu verwirklichen, die pennalen Burschenschaften Österreichs in einem großen Verband zu einigen. Pfingsten 1919 wurde die "Pennale Burschenschaft der Ostmark" (pBdO) gegründet. Ihr Obmann wurde der organisationsbegabte ES AH Karl Wollak. Die Mitteilungen der pBdO schuf und leitete unser ES AH Stefan Poszt (Eberhard) Graz. Sie erschienen zuerst im Eigenverlag, später im Verlag Leopold Stocker, Graz. Nach jahrelanger und mühevoller Arbeit gelang es, sämtliche Burschenschaften Österreichs in diesem Verband zu vereinigen. Später traten auch die Corps und Vereine bei, so daß die pBdO schließlich 160 Pennalbünde zählte. Durch Jahre war auch unser AH Franz Loibl (Alarich) als Geschäftsführer des Verbandes tätig. Neben der weltanschaulichen und geistigen Erziehung war die pBdO auch um die körperliche Ertüchtigung bemüht. In Kappl an der Drau (Kärnten) wurde ein Ferienlager errichtet, nachdem die pBdO bereits die Betreuung der Schule in Kappl übernommen hatte. Unsere AH AH Franz Zaubek und Ernst Hacek (Horand) leiteten durch 2 Jahre (1925 und 1926) dieses Ferienlager, bis die Führung anderen Händen überlassen werden konnte. Die im Ferienlager abgehaltenen Burschenschaftlichen Abende bestritten unsere AH AH Poszt, Wollak und Zaubek. 1921 erwarb die "Germania" Gründerbriefe des Deutschen Schulvereines, des Schutzvereines Südmark und des Bundes der Deutschen in Böhmen.
Seit dem Jahre 1921 arbeitete unser ES AH Stefan Poszt eng mit dem Grazer DC zusammen und es wurde ihm in Anerkennung seiner Tätigkeit das Ehrenband des Grazer DC verliehen. Im Einvernehmen mit seinem Bb. Wollak gründete Poszt den "Deutschen Mittelschülerbund" in Graz und erzielte einen solchen Erfolg, daß auch in anderen Städten Österreichs der "Deutsche Mittelschülerbund" ins Leben gerufen wurde.
Am 2. Juni 1922 konnten wir die 200. Mensur fechten. Am 17. März 1923 schlossen wir mit der penn. c. Burschenschaft "Allemannia", Marburg, jetzt Graz, und mit der penn. c. B. "Arminia", Graz, ein Verkehrsverhältnis ab. Die "Germania" vertraten die AH AH Wicha, Poszt, Karl Reichenfelser (Teut) und der Sprecher aB Heinz Reichenfelser (Volker). Als die p. c. B. "Arminia" ihren Betrieb einstellen mußte, blieb allein das Verkehrsverhältnis mit den Marburger "Allemannen" bestehen, das sich in den letzten Jahren zu einem ebenso herzlichen wie fruchtbaren Freundschaftsverhältnis entwickelte. Beim 60 Stiftungsfest 1959 der p. c. B. "Allemannia" Marburg, jetzt Graz, erhielten unsere AH AH Wicha, Heinz und Karl Reichenfelser das Allemannenband, AH AH Dr. Gustaf Axmann und Dr. Odilo Haberleitner im Juni 1957, AH Rudolf Kneussel (Vater unseres aB Peter Kneussel) 1959 und AH Dr. Erich Kapun 1960 das Germanenband.
Am 29. November 1930 kam die 300. Mensur zur Austragung. Die Jahre bis 1938 standen im Schatten der wirtschaftlichen Krisen und der unerfreulichen politischen Verhältnisse. Besonders schwierig gestaltete sich die Arbeit unter der Minderheitsdiktatur Dollfuß. Im Kampf gegen diese Diktatur machten etliche "Germanen" mit dem Dollfuß-KZ (Konzentrationslager Wöllersdorf, N.Ö.) Bekanntschaft.
In den Jahren des Verbotes und der sogenannten "freiwilligen" Auflösung 1938 verloren wir unsere Bude, setzten aber unsere Zusammenkünfte fort. Als 1939 der zweite Weltkrieg entbrannte, wurden wieder viele "Germanen" zu den Waffen gerufen. Gleich, ob an der Front oder in der Heimat, alle erfüllten ihre beschworene Pflicht bis zum bitteren Ende. Sechs Bundesbrüder kehrten nicht mehr heim, zwei, Richard Daudt und Alfred Schürl, wurden 1945 in Wien vom Mob ermordet. Wir wollen ihrer immer in Dankbarkeit gedenken! Die Jahre nach 1945 waren eine einzige Demonstration blinden Hasses - und die Ziele, für die unsere Gegner in den Krieg einzutreten vorgaben, waren vergessen. Schwere Jahre vergingen.
Kurz vor Weihnachten 1953 erkrankte unser Gründungsbursch ES AH Franz Zaubek an einer Rippenfellentzündung. Die Ärzte erklärten sein Herz für abgenützt und ließen keine Hoffnung auf Heilung. 1954, nach einem Aufenthalt in der Herzstation in Wien, verfielen seine Kräfte. Zaubek ahnte sein Ende. Am 10. Juni, wenige Tage vor seinem Tode, äußerte er den letzten Wunsch: Die "Germania" möge wieder erstehen. ES AH Karl Wicha gab das Versprechen. Mit der Gewißheit, daß sein letzter Wunsch Erfüllung finden werde, schlummerte Zaubek in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni 1954 kampflos hinüber. Von diesem Augenblick an war ES AH Karl Wicha die führende und treibende Kraft des großartigen Wiederaufstieges unserer "Germania". Am 23. Juni nahmen wir von unserem unvergeßlichen Bb. Zaubek studentischen Abschied (Blaues Freihaus, VI, Gumpendorferstraße 9). Der bald darauf folgende Germanen-Tag zum 47. Stiftungsfest beschloß die Aktivierung des Bundes und die Einreichung der Satzungen bei der Sicherheitsdirektion Wien. Da uns die Führung des alten Namens "Germania" nicht gestattet wurde, wählten wir des Zirkels wegen den Namen "Greifenstein". Ebenso wurden uns nur die Farben blaurotgold genehmigt, aber nie getragen. Als der Tag der Reaktivierung wurde der 26. Juni 1954 festgesetzt. Bald gelang die Miete einer Bude in Wien, IX, Berggasse 11. Diese Bude konnten wir 1960 durch die große Opferfreudigkeit vieler Alter Herren wesentlich erweitern und nach den Plänen unseres AH Josef von Wladar zu einem Heim gestalten, wie es andere Bünde nur in eigenen Häusern besitzen. Die ersten Aktiven waren die Söhne unserer Alten Herren:
Ihre feierliche Aufnahme erfolgte beim Julfest 1954. Hier gebührt der Wiener akad. Burschenschaft "Moldavia" großer Dank, sie hat zwei aBaB zum Aufbau unserer "Germania" zur Verfügung gestellt. Das herzliche Verhältnis mit der akad. B. "Moldavia" fand durch gegenseitige Verleihung von Ehrenbändern beredten Ausdruck. Von den Alten Herren zeichneten sich Hans Honigl, Herbert Koller, Gustav Liebeswar, Franz Loibl, Hans Polnizky, Karl Reichenfelser, Rudi Sauer, Franz Stachl, Josef Wech, Karl Wicha und Franz Winter durch unermüdliche Mitarbeit aus. Eine große Verantwortung übernahm AH Hugo Matecha, der durch 4 Semester die Charge des Sprechers bekleidete, später den jungen "Germanen" auf Mensur ein vorbildlicher Sekundant war. 1956 wurde der Mensurbetrieb wieder aufgenommen. Leider werden keine Säbelmensuren, sondern Schlägermensuren mit Gesichtsmaske ausgetragen. Unser Mensurbuch ging im Krieg verloren. Seine Wiederherstellung ist noch lückenhaft, läßt aber an der ausgetragenen 400. Mensur keinen Zweifel.
Um die weltanschauliche und geistige Erziehung der jungen "Germanen" in Fuchsenstunden und burschenschaftlichen Abenden waren und sind die AH AH Karl Reichenfelser und Rudi Sauer mit großem Erfolg bemüht. Unser Bund hat als erster kulturell wertvolle Führungen veranstaltet, die AH Karl Reichenfelser mit großer Sachkenntnis und viel Hingebung leitet. Am 4. März 1957 bewilligte die Vereinsbehörde unseren alten Namen "Germania". Mit Abschluß des Staatsvertrages fiel das Uniformgesetz weg, unsere Farben, schwarzrotgold, wurden wieder legal. Wir führen seither den Namen
Wiener pennale Burschenschaft "Germania"
Die seit 1954 erscheinenden "Germanen-Rundbriefe" unterrichten die AH AH vom Leben und von der Arbeit in unserer Burschenschaft und sollen späteren Chronisten die Weiterführung der Germanengeschichte erleichtern.
Der glanzvolle Abschluß und Höhepunkt der Aufbaujahre nach 1945 war unser 50jähriges Stiftungsfest vom 14. bis 16. Juni 1957. Der Kommers fand im Saale der Gastwirtschaft im Gewerbeverein, 1, Eschenbachgasse 11, statt. 10 Chargierte und 200 Besucher füllten den festlich geschmückten Raum. Unter den zahlreichen Ehrengästen konnten wir Herrn Hofrat Direktor Hubert Partisch von der Realschule, XV, Henriettenplatz 6, begrüßen, von der in den ersten Jahren des Bestandes unserer "Germania" die meisten Aktiven gekommen waren. AH Josef von Wladar widmete dem Bund einen Festprolog, ES AH Stefan Poszt hielt die Festrede, aF Helmut Koller die Fuchsenrede, ES AH Karl Wicha die Altherrenrede.
Wie in früheren Jahren, so haben sich auch nach 1945 viele unserer Alten Herren im Gesamtinteresse der pennalen Bewegung betätigt. ES AH Heinz Reichenfelser, Graz, ist Mitbegründer und Mitgestalter der freien Monatsschrift "Die Aula", im Redaktionsstab und als Pennalvertreter im Vorstand des Akademikerverbandes Steiermark tätig. Durch viele Jahre war die Redaktion der "Aula" in seiner Wohnung. Unserem AH Gustaf Axmann danken wir die Schaffung des "Jungen Lebens", Nachrichtenteil der pennalen und fachstudentischen Bünde und des Bundes-Delegierten-Conventes (BDC). Er zeichnet auch verantwortlich für "Junges Leben". Unterstützt von den AH AH Wicha, Karl Reichenfelser und anderen gelang AH Axmann das große Werk der Einigung der pennalen Bünde Österreichs im Bundes-Delegierten-Convent (BDC). 60 Bünde zählte der Linzer Burschentag 1957, 80 Bünde der Klagenfurter Burschentag 1959. Seither hat sich die Zahl der im BDC vereinigten Bünde auf 90 erhöht. ES AH Karl Wicha hat im Landes-Delegierten-Convent Wien (LDC) einen Fonds zur Betreuung der Grenzlandschule Schwabegg in Kärnten angeregt und geschaffen (Sozialausschuß). 1960 konnten 270 Kilogramm Sachspenden und ansehnliche Geldspenden aufgebracht werden. Nachweisbar wurde in diesem Grenzgebiet der von außen her gelenkte und unterstützte slowenische Einfluß zurückgedrängt - ein großer Erfolg. An der Gründung des Verbandes Alter Pennäler (VAP) in Wien und Graz waren Alte Herren unseres Bundes beteiligt. Im Spätherbst 1959 gründete unser ES AH Heinz Reichenfelser, Graz, im Verein mit seinem Bruder AH Karl Reichenfelser den "Forschungskreis Pennalgeschichte", dem Prof. Dr. Hans Giebisch (AH der DSV "Rhenania", Wien) als Obmann, AH Karl Reichenfelser als geschäftsführender Obmann vorstehen. Im Ausschuß des Forschungskreises ist auch AH Hans Polnizky (Theoderich) tätig. AH Karl Reichenfelser hat in unermüdlicher und zeitraubender Forschungsarbeit für den Abschnitt "Männer aus unseren Reihen" wertvolle Ergebnisse erzielt und viele bedeutende Männer im "Jungen Leben" gewürdigt. Den historischen Teil der in Ausarbeitung begriffenen Pennalgeschichte bearbeitet der bekannte Studentenhistoriker Dipl.Ing. Oskar Waas (AH der p.B! "Cimbria", Wien), unterstützt von den Brüdern Reichenfelser, AH Axmann und vielen anderen.
Zwei Merkmale zeichnen unsere "Germania" aus: Erstens die straffe und strenge innere Führung, die unverbrüchliche Treue und Wertschätzung aller Bundesbrüder untereinander, das vorbildliche Mitleben unserer Bundesschwestern in guten und schlechten Tagen, und zweitens die rege Teilnahme und erfolgreiche Mitarbeit der "Germanen" an allen pennalen Aufgaben. Über allem aber stehen die burschenschaftlichen Ziele und Pflichten, getreu unserem Wahlspruch:
„Germanenbüchel“ Ausgabe 1961, Quellen: Persönliche Aufzeichnungen unserer Gründer ES AH Hubert Swoboda und ES AH Franz Zaubek, Archiv unserer Burschenschaft, „Germanen-Rundbriefe“, Mitteilungen der pBdO Diether: Die Wiener p.B! „Cimbria“ 1908--1918, erschienen im Selbstverlag der p.B! „Cimbria“ und Fritz Lechner (AH der p.B! „Freya“, Klagenfurt) „Die Ferienlager der pBdO“.
"Die Zeit ist Euer - was sie sein wird, wird durch Euch sein!"
Die Jahre nach dem 50. Stiftungsfest waren Zeiten eines kraftvollen Aufschwunges in denen die seit 1954 geleistete Aufbauarbeit ihre Früchte Trug.
Waren die Aktiven nach der Reaktivierung vorwiegend Söhne Alter Herren, so konnten bald neue Mitglieder gewonnen werden. In den Sechzigerjahren ermöglichten Aktivenzahlen um die 30, einschließlich iaB einen äußerst regen Betrieb, was sich auch in erfolgreicher Mensurtätigkeit niederschlug. Alleine zur Weihnachtszeit 1960 wurden 9 Mensuren auf unsere Farben ausgetragen. Bereits am 14.4.1962 stieg aB Gunter Schifter zu unserer 50. Schlägermensur gegen Silesia Waidhofen und am 31.5.1968 aB Gerd Nagele zur 100. gegen Teutonia. AH Hans Honigl stand unermüdlich als Fechtlehrer auf dem Paukboden und führte die Aktivitas zu ausgezeichneten Mensurergebnissen: Etwa jede dritte Partie konnten wir abführen und nur viermal mußten wir selbst vorzeitig abtreten. Michael Scheichbrein stand in diesen Jahren als Sekundant insgesamt 38 mal unseren Paukanten zur Seite und selbst ESAH Wicha ließ es sich nicht nehmen noch mit 67 Jahren 1960 einem seiner Leibfuxen bei dessen ersten Partie zu sekundieren.
Fuxenstunden, Gesangsconvente, Burschenschaftliche Abende, kulturelle und gesellige Veranstaltungen gaben den Rahmen für ein reiches Couleurleben.
Besonders in den Jahren 1962 und 63 wurde alles unternommen um die bisherigen Erfolge abzusichern. ESAH Karl Wicha, schon bisher Träger der Sammlung und Wiederbelebung der Germania, arbeitete beharrlich an der Stärkung des Altherrenverbandes, um damit eine solide Basis für den Bund zu schaffen. 1968 konnte er sein Ziel von mindestens 100 mit einem Höchststand von 95 Bundesbrüdern nahezu erreichen. Die seit 1924 unverändert bestehenden Satzungen wurden von AH Franz Loibl reformiert. AH Max Poeckh erarbeitete „Ausbildungs- und Erziehungsrichtlinien“ für die Aktivitas.
Daneben geht die Arbeit im Gesamtinteresse der Pennalbewegung weiter. Um 1960 unterstützen Aktive der Germania den Aufbau der p.c.V! Frankonia Eisenstadt. Für die 1959 reaktivierte p.B! Cimbria wurden Unterstützungsburschen gestellt und 1961 bis 1962 der Betrieb gemeinsam abgewickelt. AH Gustaf Axmann führte ab 1959 den BDC als Vorsitzender. iaB Hans Aplenc übernahm 1961 die Funktion des Schriftführers und war auch an der Arbeit im LDC-Wien maßgeblich beteiligt. 1962 wurde unter seiner Federführung die bis heute im ÖPR gültige „Feldbacher Ehrenordnung“ ausgearbeitet. 1963 erhielt der LDC-Wien unter Hans Aplenc und Günther Loibl eine auf die Zusammenarbeit mit dem BDC abgestimmte Geschäftsordnung.
In den Sommerferien 1964 und 1965 organisierten und leiteten die BbBb AH Max Poeckh und iaB Hans Aplenc erstmals Schulunglager des Bundes-Delegierten-Convents auf Schloß Trautenfels. Als Vortragende konnten u.a. Dr. Nikolaus v. Preradovich, Dr. Götz, Walter Klemm (Rugia-Wien), W. Landig, AH Heinz Reichenfelser und Pfarrer Met (Wölsung-Wien) gewonnen werden. Trotz schwacher Beschickung durch die BDC-Körperschaften war der Erfolg bei den Teilnehmern durchschlagend.
1966 konnte ES Wicha die Arbeit „seines“ Sozialausschusses des LDC Wien und des VAP für die Wiener Verbandsbrüder sichtbar machen: 26 Kinder und das Lehrerehepaar aus der Grenzlandschule Schwabegg wurden nach Wien eingeladen. Bundesschwestern übernahmen die kulinarische Betreuung der Gäste. Germanen und Kommilitonen der Wiener Korporationen leisteten Fahr- und Führungsdienste.
Aktive Volkstumsarbeit leistete Germania in diesen Jahren auch durch Unterstützung der Österreichischen Landsmannschaft und Südtirols, insbesondere in der „heißen“ Phase des Konfliktes mit Italien.
Der „Forschungskreis Pennalgeschichte“ kann 1967 seine Arbeit mit der Drucklegung des im Aulaverlag erschienenen 486 Seiten umfassenden Buches „Die Pennalie“ krönen. Bis heute ein Standardwerk für alle an der Geschichte der Pennalie interessierten.
Auf Initiative des Dichters und Schriftstellers Josef Hiess, AH der pcV! Arminia Korneuburg, wurde der Dichterstein zu Offenhausen zur Würdigung deutscher Dichter errichtet. Dank einer Spendensammlung unseres AH Karl Reichenfelser konnten wir dort am 26. September 1965 eine Namenstafel zu Ehren der Dichterin unseres Farbenliedes „Durch die Lüfte rauscht ein Mahnen“, Wilhelmine Gräfin Wickenburg-Almasy enthüllen.
Der erfolgreiche Aufbauarbeit der Sechzigerjahre standen jedoch Faktoren entgegen die sich zunehmend negativ auswirkten: Intern machte sich das „Generationenloch“ zwischen 1938 und 1954 bemerkbar. Rund ein Drittel der Alten Herren verstarb in diesem Zeitraum und „Junge Alte Herren“ rückten erst ab 1963 und da nur recht spärlich nach. Die so entstandenen „Lücken“ können bis heute nicht gefüllt werden.
Die gesellschaftspolitischen Entwicklungen dieser Zeit mit ihrem Gipfel in der 68er-Bewegung zeigten ihre Auswirkungen auch in der Burschenschaft. In der Aktivitas entstehen unterschiedliche Strömungen. Es ergeben sich oft heftige Debatten um das burschenschaftliche Leben, den Einfluß des „Amerikanismus“ und seine Erscheinungen wie die unverbindliche „Party“ als Ersatz für traditionelles Gemeinschaftsleben. Die Inaktiven - Aktive der ersten Stunde nach dem 2. Weltkrieg - beteiligten sich kaum noch am Betrieb. Anderwärtige Interessen, der Beruf, „die Karriere“ stehen im Vordergrund. In der „Keiltätigkeit“ machen sich die Veränderungen in Schule und Gesellschaft ebenso deutlich bemerkbar. Die Anzahl der „echten“ Mittelschüler in der Aktivitas nimmt, wie die Zahl der Aktiven an sich, kontinuierlich ab. In den Jahren 1964 bis 66 sind von 25 Aktiven nur noch 3 im Mittelschulalter. Schon 1964 wird am Germanentag festgestellt: „wir haben den Kontakt zu den Mittelschulen verloren“ und es wird erwogen, den Betrieb einzustellen.
Unbeschadet dieser Vorgänge ist das Jahr 1966 von den Vorbereitungen zum 60. Stiftungsfest (23. bis 25. Juni 1967) geprägt. Unter der Leitung von AH Franz Novak bzw. des Sprechers war die Arbeit der Convente ganz auf diese Ereignis abgestimmt. Unterstütz wurden sie durch eine nach wie vor starken Aktivitas (25 Aktive) und einen nicht weniger starken AHV (58 AHAH). Die Namen Wicha, Novak, Poeckh, Müller sen., Karl und Heinz Reichenfelser finden sich in allen Berichten über die Vorbereitungen zum Stiftungsfest. Die Mitarbeit der Damen vieler Alter Herren soll nicht unerwähnt bleiben. Stellvertretend für sie sei hier Frau Trude Hauer genannt. Die finanzielle Opferbereitschaft unserer Bundesschwestern ermöglichte die Anfertigung einer von ES AH Heinz Reichenfelser entworfenen Standarte. Zu den Vorbereitungen zum Stiftungsfest gehörte auch eine eifrige Reisetätigkeit der Aktivitas zu anderen Korporationen des ÖPR.
Nahezu alle Bundesbrüder, darunter auch unser Gründungsfuchs Josef Brydl, fanden sich schon beim Begrüßungsabend beim Leupold ein. Samstag vormittag wurden die Gräber der verstorbenen BbBb besucht, nachmittags fuhren die Bundesschwestern als Gäste des AHV auf den Kahlenberg, während im alten Rathauskeller der Germanentag stattfand. Der Sprecher meldete einen Aktivstand von 8 aBaB. 1 aBF und 6 aFaF und 11 iaBiaB. Dr. Guggi und Herbert Jüttner wurden zu alten Herren und ein iaB wurde in den AHV übernommen.
ESAH Wicha widmete den Bierzipf, den er vom Gründer Zaubek erhalten hatte als „goldenen Bierzipf der Burschenschaft Germania“. Dieser Bierzipf wird seither jeweils für 10 Jahre einem um die Korporation besonders verdienten Aktiven verliehen.
Dem 45jährigen Bestehen des Freundschaftsverhältnisses mit der p.c.B! Allemannia Marburg wurde durch die Übergabe eines Fahnenbandes an die Allemannia und eines handgeschnitzten Wappens der Urburschenschaft an uns gedacht. Der Festkommers mit 26 Chargierten und über 400 Besuchern fand im Kursalon im Stadtpark statt. Feierlich wurde die neue Standarte von aB Ernst Sekera in den Saal getragen, wo sie Bundesschwester Trude Hauer dem AH Obmann Franz Nowak übergab. Nach der Germanenrede des ESAH Heinz Reichenfelser erinnerte der Abgeordnete zum NR Friedrich Peter in seiner bejubelten Festrede an die Verdienste und Aufgaben des Waffenstudententums.
Den Ausklang fand das Stiftungsfest mit einem Ausflug in die Wachau, der nach Krems zur Gotikausstellung und danach in die Kellergasse in Königsbrunn führte.
Aber auch andere Veranstaltungen prägten das Jahr 1967, so vom 13. – 15. Mai der 5. Burschentag in Linz, dem das 10jährige Bestehen des BDC einen besonderen Stellenwert gab. Erstmalig nach 1945 wurden Mensuren unter freiem Himmel auf der Heimdallbude gefochten.
Im September 1967 würdigten wir gemeinsam mit den im BDC vertretenen Bünden die 150. Wiederkehr des Festes auf der Wartburg. Nach dem Festzug der Chargen und Farbenträger durch Krems hielt unser AH Max v. Poeckh beim Sappeurdenkmal die Gedenkrede.
Auch das Jahr 1968 ist noch durch einen starken Aktivbetrieb bestimmt. Scheinen doch 27 Aktive zum Antritt des Wintersemesters im Protokoll auf. Doch die Zahl täuscht etwas. Viele der Aktiven sind bereits inaktiviert und besuchen nur mehr sehr selten die Betriebstage. Zwei sehr erfreuliche Ereignisse vereinen aber neben dem Jul- und Stiftungsfest die Germanenfamilie. Es gilt den 75. Geburtstag des ESAH Wicha zu feiern und im Oktober werden auf Initiative von AH Franz Nowak in einem dreitägigen Symposium im Hotel Alpenhof in Puchberg am Schneeberg die Weichen für eine pennale Burschenschaft in einer geänderten Gesellschaft gestellt. Neben Kurzvorträgen wurden intensive Diskussionen zu den aktuellen Themen abgehalten. Die damit eingeleitete Grundsatzdiskussion führt mit einem weiteren „Seminar“ im November 1970 in Burgau zur Ausformulierung der Grundsätze der Burschenschaft Germania wie sie auch Jahrzehnte danach noch voll gültig sind. Das Grundgerüst für die Neugestaltung der Satzungen entsteht und wird in den folgenden Semestern ergänzt, formuliert und beschlossen.
So notwendig und nützlich diese intensive Befassung mit den geänderten Gegebenheiten ist, so bringen sie doch nicht die gewünschten Resultate. Ab 1969 nimmt der Aktivstand deutlich ab.
Auch der „Prager Frühling“ geht an den Germanen nicht Sang- und Klanglos vorbei. Im Rahmen eines Besuches seiner väterlichen Heimat, dem Sudetenland, im November 1969 ist unser iaB Ernst Sekera vermißt. Nie wieder sollten wir eine Nachricht von ihm oder über ihn erhalten. Selbst Nachfragen bei der Staatspolizei führen zu keinem Ergebnis.
1969 wird der von ES AH Wicha geleitete Sozialausschuß des LDC-Wiens nach über 10 Jahre erfolgreiche Volkstumsarbeit aufgelöst.
Auf dem gesamten Pennalboden sind in diesen Jahren ähnliche Erscheinungen zu beobachten und die Zahl der Korporationen nimmt stark ab. Ein äußeres aber eindeutiges Anzeichen ist der massive Rückgang der Mensurtätigkeit seit Mitte der Sechzigerjahre. 1970 kommt der Mensurbetrieb komplett zum Erliegen: auf Wiener Boden sind keine Mensuren zu bekommen.
Die Entwicklungen innerhalb unserer Germania und im gesamten pennalen Umfeld stehen natürlich auch im unmittelbaren Zusammenhang mit den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen dieser Zeit. Die von der Kriegsgeneration geleistete enorme Aufbauarbeit auf allen Gebieten geht zunehmend über in ein allgemeines Primat ausschließlich wirtschaftsorientierter Denkweisen. Die für uns ursprünglich wenig bedeutsame Gründung der EWG im März 1957 durch Abschluß der im Vorfeld auf Bilderberger-Konferenzen geschaffenen „Römischen Verträge“ und die als „Antwort der Neutralen Staaten“ 1960 erfolgte Gründung der EFTA lenken die „gesellschaftliche Umerziehung“ vorerst unmerklich in andere Bahnen. Die 1965 beschlossene und 1967 in Kraft getretene Überordnung der EG-Kommission und des EG-Rates über die bis dahin recht lose EWG zeichnen den Weg. Die Hippie- und 68iger-Bewegungen sowie die daran anschließende und daraus hervorgehende, auf die Auflösung der staatlichen Ordnung ausgerichteten Organisationen wie die 1970 gegründeten RAF dagegen besetzen den Wert Freiheit in einer neuen pervertierten Form und nehmen unmittelbaren Einfluß auf die verbreiteten Ansichten und Haltungen.
In diesen späten Sechzigerjahren ist das Geschehen in der Germania durch starke Zugänge aber nicht weniger starke Abgänge aus der Aktivitas geprägt. Viele Mitglieder sind kaum länger als ein Semester bei der B!. In dieser Zeit wird das Lebensbundprinzip nicht gelebt. So muß der Semestereröffnungsconvent zum WS 1970/71 das Chargenkabinett aus reaktivierten AHAH bilden.
Im Dezember 1972 gelingt es zumindest den AHV durch Aufnahme von 15 AHAH der pcV! Wölsung zu stärken. Auch wenn etliche davon nie wirklich zu Germanen werden und den Bund sehr bald wieder verlassen, werden andere, wie zum Beispiel AH Herbert Smekal zu starken Stützen des Bundes.
1973 werden zwar wieder Mensuren ausgetragen jedoch alle mit auswärtigen Korporationen (Arminia Krems und Wiking Mödling). Der LDC-Wien hat sich um diese Zeit nahezu aufgelöst.
Im Herbst 1973 bewies Germania, daß trotz aller Schwierigkeiten ein großes Potential vorhanden ist. Über Initiative von zwei AHAH wurde für den LDC-Wien der erste große und ungestörte Auftritt Otto v. Habsburgs, nach 1945 in Österreich organisiert. Habsburg referierte im überfüllten Vortragssaal des Gewerbevereines zum Thema „Vereintes Europa“, das zu regen Diskussionen Anlaß gab und auch in der Tagespresse starken Widerhall fand.
Schon zu Beginn des Wintersemester 1976 steht die Vertagung des Betriebes zur Diskussion. Unter größten Bemühungen aller Germanen, AHV und Aktivitas, kann der Betrieb weitergeführt werden. Jedoch 1977 ereilt das Schicksal der Vertagung auch unseren Bund. Nach dem Fest des 70. Stiftungsfestes, im Hotel Hübner in Hietzing, ist diese Schritt nicht mehr aufzuhalten. Die letzten Aktiven werden zum Julfest 1977 in den AHV übernommen. Das Versprechen, bei einer Reaktivierung aktiv mitzuarbeiten, haben sie gegeben und auch eingehalten. Das Julfest wird durch die Todesnachricht unsres AH Max v. Poeckh überschattet.
Mit dem Beginn des neuen Jahrzehntes steht eine abermalige Prüfung für die Germania ins Haus. Der neue Hauseigentümer betreibt die Räumung unserer Bude in der Berggasse. Verhandlungen mit der Bundesgebäudeverwaltung ergaben ein nicht auszuschlagendes Angebot, bei gleichzeitiger Möglichkeit eine neue Bude in der Kienmayergasse zu erhalten. Mehr als ein halbes Jahr hat sich nun eine kleine Anzahl von Bundesbrüdern mit der Adaptierung der neuen Räumlichkeiten beschäftigt. Der Abbau der Einrichtung des Convent- und Kneipraumes sowie die Wiedererrichtung in den neuen Räumen wurde von den AHAH Hauer und Winter durchgeführt. Als Dank für diese und frühere herausragende Leistungen wurde beiden der Titel „Ehrensenior“ verliehen.
Im September 1980 wurde die neue Bude eingeweiht und zwei Hospitanten wollten „unbedingt zur Germanenfamilie gehören“. AHAH wurden reaktiviert, ein Chargenkabinett gewählt, ein Aktivbetrieb sehr erfolgreich gestartet. Die Bude war wieder Mittelpunkt des Coleurlebens bei den Germanen.
Aber nicht nur im Rahmen des Germanenlebens ging es wieder aufwärts. Getreu den Grundsätzen unserer B! war auch immer die Arbeit der Bundesbrüder im Rahmen des Dachverbandes, im BDC, in den verschiedenen Ausschüssen und im Vorstand an der Tagesordnung.
Gemeinsam mit Franko-Cherusker und Vandalia gelingt es den LDC-Wien zu reaktivieren und ab 1980 werden auch wieder regelmäßig Mensuren ausgetragen.
Im Jahre 1982 stellte die Germania den Vorsitzenden des LDC-Wien und wollte gemeinsam mit der p.B! Franko-Cherusker den Burschentag 1983 in Wien durchführen. Gespräche mit der DBÖ ermöglichten die Zusammenlegung und gemeinsame Ausrichtung der beiden Burschentage.
Das 75. Stiftungsfest war 1982 der Mittelpunkt des Sommersemesters. Wieder war es der Gewebeverein der die Bundesbrüder und Gäste zum festlichen Kommers vereinigte. In der Festrede zeigte ESAH Winter die Wurzeln der Germania, ihr Werden und Wirken in den Jahren seit ihrem Bestehen auf.
Aber die große Herausforderung an die B! Germania wartete ja noch mit der Durchführung des Burschentages. Und die bunten Mützen der waffentragenden Korporationen aus ganz Österreich, gleich ob Mittelschüler oder Akademiker, wurden gesehen. Das Auftreten in der Öffentlichkeit war für die Großstadt Wien bemerkenswert. Ob die Ausstellung über Verfolgung in den Ostblockländern am Stock im Eisenplatz, das Platzkonzert der Gardemusik Wien am Heldenplatz vor der Gefallenenehrung in der Krypta des Äußeren Burgtores, der Festzug der Chargierten und Festteilnehmer vom Heldenplatz durch die Innere Stadt zum Kommersort unter der tatkräftigen Mithilfe des Spielmannszuges des ÖTB. Wir, die waffentragenden Coleurstudenten haben ein Zeichen gesetzt.
Seit dem Bezug unserer neuen Bude in der Kienmayergasse benützte auch der ÖPR 2 Räume als Untermieter. Mit der Übersiedlung des ÖPR in ein neues Büro Im Frühjahr 1984 ergab sich die Möglichkeit den bisherigen, zu kleinen Paukboden zu vergrößern. Der AH-Obmann betrieb die nötigen Vorarbeiten und ermöglichte die Umbauarbeiten durch eine Baufirma mit einem für uns tragbaren finanziellen Aufwand. Im Mai konnte endlich unter der fachkundigen Aufsicht von ES Karl Hauer die Zwischenwände niedergerissen werden. Die Ausgestaltung des neuen Pauk- und Kneipraumes wurde von den ESAH Winter und Hauer nahezu im Alleingang durchgeführt, während AH Kolda sämtliche Fenster der Bude neu verglaste.
In der ersten Hälfte der Achtzigerjahre konnte im Aktivbetrieb ein bemerkenswerter Aufschwung erzielt werden. Die Aktivenzahlen der Sechzigerjahre konnten nicht ganz erreicht werden, da aus den vorangegangenen schwachen Jahren nur wenige den Betrieb unterstützenden Inaktiven verblieben waren. Anderseits hat sich die Zahl der Alten Herren von fast 70 im Jahr 1969 auf knapp über 40 im Jahr 1987 verringert, was eine deutliche Schwächung der ideellen und materiellen Basis darstellt. Von manchen wird die Überlebensfähigkeit der B! insgesamt in Frage gestellt. Intensive Diskussionen bei internen Seminaren am Semmering im März 1986 und April 1987 festigen die Überzeugung, daß die Germania sich auch unter schwierigen Bedingungen der Aufgabe zur Heranziehung der Jugend im burschenschaftlichen Sinne nicht entziehen darf. So wird zwar im Sommersemester 1987 trotz eines Aktivstandes von 5 aBaB und 3 aFaF vertagt, der Betrieb aber in vollem Umfang weitergeführt und die Reaktivierung gelingt auch schon zum Beginn des Wintersemesters 1988. Daneben wird die Bude weiter ausgestaltet und renoviert sowie neues Mensurzeug angeschafft. Am 4. Februar 1989 treten wir zur 150. Schlägermensur gegen Franko-Cherusker an. Alleine in diesem Jahr wird die beachtliche Zahl von 8 Mensuren ausgetragen, jedoch überwiegend Forderungen und Hatzen. Das führt dazu, daß wir im Wintersemester 1990/91 wegen formell fehlender Hatzfähigkeit neuerlich vertagen müssen, da praktisch alle Aktiven das Maturaalter bereits überschritten haben. Aus dem geplanten einen Semester werden zehn Semester und erst im Wintersemester 1995 kann reaktiviert werden.
Umrahmt sind die Achtzigerjahre von politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, die man als Beginn der Globalisierung bezeichnen kann. Das hauptsächlich von den USA ausgehende Konzernwesen und eine damit verbundene ausschließlich profitorientierte Geldwirtschaft gewinnen zunehmend an Bedeutung. Wird Anfang der Achtzigerjahre noch die Aufgabe der Konzerne gegenüber der Gesellschaft als Schlagwort propagiert, so wandelt sich das bis zum Ende der Achtzigerjahre zur ausschließlichen Verpflichtung gegenüber den Aktionären, auch wenn darüber in der Öffentlichkeit geschwiegen wird. Offiziell gilt noch die „Soziale Marktwirtschaft“ als allgemeingültige Leitlinie in Österreich und den übrigen europäischen Staaten. Das ändert sich radikal in den Jahren nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems, der auch in unseren Reihen vorerst, besonders mit dem symbolträchtigen Fall der Berliner Mauer 1989, überschwengliche Begeisterung auslöst.
Die durch den Wegfall dieses diktatorischen Reliktes aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vermeintlich zu erwartenden ultimativen und allgemeinen Freiheit tritt nicht ein und diese äußere Wende der Gegebenheiten wirkt sich weder für uns, noch für das korporierte Lager insgesamt positiv aus. Die ersten, kaum beachteten Anzeichen zeigen sich schon 1991. Der am Staatsfeiertag in Oberschützen veranstaltete „Burgenlandkommers“ wird bereits im Vorfeld von radikalen Linksgruppierungen zwar (noch) nicht wesentlich aber doch merklich gestört und es kommt zu für uns negativer medialer Berichterstattung. Diese Entwicklung setzt sich fort: im Oktober 1994 kommt es beim Tiroler Freiheitskommers in Innsbruck bereits zu schweren Ausschreitungen. Das sich schon in den Achtzigerjahren abzeichnende Auftreten gewaltbereiter aber trotzdem staatlich tolerierter und zunehmend medial geförderter linksextremer Gruppierungen verstärkt sich während der Neunzigerjahre laufend. Auf der „großen politischen Bühne“ wird am 7.2.1992 der Europäischen Gemeinschaft mit den Maastrichter Beschlüssen die „Europäische Union“ der Europäischen Gemeinschaft als zentralstaatliches Organ übergestülpt und auch Österreich fährt in den Jahren danach mit Volldampf in Richtung Selbstauflösung in der EU, die am 1.1.1995 vollzogen wird.
Trotzdem, oder gerade deshalb, gelingt ab 1993 eine Wiederbelebung unserer Aktivitas. Die Reaktivierung der über Jahrzehnte mit uns verbundenen akademischen Burschenschaft Moldavia am 1.7.1994 auf unserer Bude gibt zusätzlichen Antrieb. Am Eröffnungs-AC zum Wintersemester 1994 bekundet die Altherrenschaft den Willen, den Wiederaufbau des Aktivbetriebes massiv zu unterstützen und mit dem Wintersemester 1995 können wir den Betrieb wieder aufnehmen.
Ein gutes Zeichen dieser neuerlichen Aufbauarbeit stellt zweifellos 1997 unser 90. Stiftungsfest in Krems dar, das zu einem Familienfest der Germanen wurde. Gemeinsame Anreise, Unterbringung im gleichen Hotel, Schiffahrt nach Melk Besichtigung des Stiftes, Führung durch Krems als Damen- und Gästeprogramm während des Germanentages, Festkommers und gemütlicher Exteil am „Turm“ der gastfreundlichen Kremser Rugen. Fahrt zur Rosenburg mit Besichtigung, Greifvogelschau und „Ritteressen“ und Ausklang des Festes beim Heurigen in Leobersdorf.
Motiviert durch den Erfolg des 90. Stiftungsfestes gelingt es in der Folgezeit der Aktivitas etliche Interessenten zuzuführen. Allerdings nur mit wechselnden Erfolg. Als echte Kinder der „Spaßgesellschaft“ konnte oder wollte die Mehrzahl trotz grundsätzlichem Interesse die aus der Gemeinschaft entstehenden Aufgaben und Pflichten nicht erfüllen. Nur wenige blieben und wurden zu wertvollen Bundesbrüdern.
Auch wenn es unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Zuständen, durch die im Schulwesen „vorprogrammierte“ politisch Umerziehung der Jugendlichen und die massive Einflußnahme der Medien nur schwer gelingt, junge Menschen für unsere Ziele zu begeistern, so sind die 1907 gesteckten Aufgaben und Ziele nach wie vor gültig. Rückschläge mögen zu vorübergehender Sistierung nötigen, sind für uns aber kein Grund aufzugeben. Die sich immer wieder einstellenden Erfolge beweisen das. Auch wenn zur Zeit sowohl die Aktivenzahlen als auch an die Altersstruktur der Neuzugänge an die Blütezeiten unserer Germania nicht angeknüpft können, treten immer wieder einzelne Aktive, unterstützt von einer Handvoll AHAH unermüdlich an um unseren Bund in die Zukunft weiter zu führen.
Von diesem Gedanken getragen traten die Bundesbrüder vom 22. bis 24. Juni 2007 zur großen Feier des hundertjährigen Bestehens unserer Germania zusammen. Der Begrüßungsabend am Freitag auf der Bude und der Exbummel am Sonntag, zu dem ein historischer Straßenbahnwagen die Germanen und ihre Familien nach Perchtoldsdorf brachte, umrahmten die feierlichen Veranstaltungen am Samstag. Der Germanentag am 23.Juni schloß mit der Erneuerung des Burscheneides und der Bekräftigung des Lebensbundes in der „Hochheiligen Handlung des Landesvaters“. Der Höhepunkt des Festes war der Kommers am Abend im „Haus der Heimat“. Fand die Aktivenrede schon großen Zuspruch, so war die Festrede von Univ.-Prof. Dr. L. Höbelt über „die Deutschen in Österreich“ nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern zeichnete sich auch durch den sehr launigen Vortrag aus. Aller uns vorangegangenen Bundesbrüder, von denen wir unsere Germania als Erbe übernommen haben, wurde durch Aufrufung der Namen gedacht und der Altherrenobmann überreichte ein Standartenband, welches den zukünftigen Generationen Auftrag und Verpflichtung für ein weiter bestehen der B! Germania sein soll.
Wir werden den burschenschaftlichen Gedanken, unsere Ideen und Werte in und mit unserer Germania weiter tragen - getreu unserem Wahlspruch:
„Ehre, Freiheit, Vaterland!“
„Germanenbüchel“ Ausgabe 2007, Quellen: Germanenrundbriefe, Protokollbücher, persönliche Erinnerungen und Aufzeichnungen.